Entstehung eines Bildes ... Kommentar vom Maler:
Als ich im Kunsthistorischen Museum in Wien das Bild "Allegorie der Malerei" von Vermeer gesehen habe, hat es anscheinend nachhaltige Wirkung auf mich gezeigt.
Einerseits hatte ich geplant mal wieder eine Art Bestandsaufnahme durch ein Selbstbildnis zu machen, andererseits beschäftigt mich aber die Frage, was bedeutet das Malen eigentlich für mich.
Es sind nicht nur die Betrachter meiner Bilder, die stirnrunzelnd vor den Gemälden wie vor einem Rätsel stehen, sondern oft auch ich. Die langwierige Art meiner Malerei nötigt zu einem ständigen Dialog mit dem Bild und es ist nahezu unmöglich die anfängliche Intuition, die zu dem Beginnen eines Bildes geführt hat, durchzuhalten. Also muss ich mich und das Bild immer wieder neu befragen. Mich mit meinen Zweifeln und meinem Selbstbewusstsein auseinandersetzen. Das kann ganz schön quälend sein und führt dazu, dass in meinem Atelier vier oder fünf Bilder auf ihre Vollendung warten. Belohnt wird man aber durch die konzentrierte Arbeit mit der Farbe und dem Pinsel. Belohnt wird man, wenn man einen Zustand der Kontemplation erreicht, in dem man alles um sich herum vergisst und aufwacht, wie nach einem schönen Traum. Der Begriff Flow beschreibt diesen Zustand ganz gut.
Also werde ich hier schriftlich wiedergeben, was der Betrachter auch dem Bild entnehmen kann und was sich seit Beginn des Bildes im März 2006 verändert hat.
Zurück zu dem Selbstbildnis von Jan Vermeer van Delft. Als offensichtliches Zitat sind die Fliesen des Fussbodens zu erkennen und vielleicht noch die Deckenkonstruktion. Aber ich habe mich nicht an eine Staffelei gesetzt, sondern in eine Badewanne, die mit Tuch oder einer Leinwand abgedeckt bzw. ausgelegt ist. Eine Frau unbestimmten Alters und in der Physiognomie bewusst nicht greifbar, trägt schwarze Farbe mit einem Handschwamm auf meinen Rücken auf. Die Farbe läuft über meinen Rücken und hinterlässt Spuren auf dem Tuch. Die Frau trägt einen Kittel und nicht nur dieser Umstand und die Kacheln im Hintergrund machen das Bild zu der Darstellung einer Therapie oder einer religiösen Waschung. Ist das Malen eine Therapie für mich? Ganz bestimmt. Es hilft mir meine Konzentration zu bewahren in dieser chaotischen Zeit. Es bewahrt mich vor dem oberflächlichen Hinschauen, dem kurzen Wahrnehmen. Warum aber die schwarze Farbe? Nun ja, sehr glücklich sehe ich auf dem Portrait auch nicht aus und das hat wohl viel mit der Trauer und der schlimmen Zeit zu tun, die ich durchlebt habe und durchlebe. Diese schwarze Farbe ergibt ein Bild auf der Leinwand, welches ich nicht bewusst herbeiführe und nicht mit dem Pinsel auftrage und vor allem: Welches dem Betrachter nicht zugänglich ist. So umgehe ich wohl der Gefahr von zu vielem Pathos. Die Keilrahmen und der Schädel auf dem Hocker sind erst im Laufe der Arbeit hinzugekommen, da mir das Ambiente allzu klinisch vorkam und auch etwas von meiner realen Umgebung im Bild zu sehen sein soll.
Wie geht es weiter?
Ich lass mich überraschen.
Dirk