Geschichten, die das Leben schreibt ...


Ein Professor berichtet über den Universitätsformularwahnsinn:

"Im Nachgang zu dem missratenen Versuch, Doktoranden dem FB zu melden, bin ich mit großer Bewunderung auf die segensreiche Fülle an Formularen in der FB-Verwaltung und der Uni-Verwaltung generell gestoßen. Welch eine Perfektion für alle Wechselfälle des Lebens!

Ich möchte aber darauf aufmerksam machen, dass EIN Formular dringend dieser wahrlich umfassenden Sammlung hinzugefügt werden sollte: Die vorerwähnten diversen Wechselfälle des Lebens, aber auch die unerreichbare Perfektion der Formularschränke könnte stark Über-ich-gesteuerte Menschen zur Verzweiflung treiben und im Falle mangelnder Verdrängung dieses Konflikts in den Selbstmord treiben, was zum Wohler der Verwaltungsvereinfachung und aus Gründen der evolutionären Auslese hinzunehmen ist. Was also bei aller bewundernswerten Perfektion Ihrer Formularschränke fehlt, ist das "Suizidankündigungsformular"!

Welch´ eine Beschleunigung in der Abwicklung solcher Fälle ließe sich erreichen, wenn ein derart Motivierter – sagen wir – drei Tage vor der Ausführung der Tat dieselbe ankündigen würde: Man wäre nicht mit dem plötzlichen Ableben konfrontiert, sondern könnte sich verwaltungsmäßig auf die Erstellung von Todesanzeigen u.ä. entsprechend vorbereiten, aber z.B. auch die Wiederbesetzung von Stellen zum Wohle des Wissenschaftsstandorts Deutschland parallel und früher angehen. Man könnte zudem dieses Formular in drei Varianten verwaltungsfreundlich anlegen: Linksschiefe Kreuze an den Rändern für studentische Offiziere, rechtsschiefe Kreuze am Rand für wissenschaftliche Mitarbeiter und aufrechte Kreuze für Hochschullehrer. Damit sich diese Personenkreise auch verwaltungskonform verhalten, ist präsidentenseitig die Füllung und Versendung dieses Formulars zur Dienstpflicht zu machen. Im Rahmen der allgemeinen Verlotterung solcher deutscher Tugenden wäre zusätzlich an selektive Anreize im Beerdigungsfalle als Grabgabe zu denken: Kresse für Studenten, Porree für WiMis und ein Vergißmeinicht für Hochschullehrer liegen nahe.

Ich möchte das hier nicht weiter ausführen, aber natürlich könnte man auch an ein „Suizidrücktrittsformular“ denken und an etwaige Sanktionen gegenüber solch Wankelmütigen zur Deckung der einschlägigen Verwaltungskosten. In der absoluten Sicherheit, das letzte Loch in der Vollkommenheit des Formularschranks nunmehr zum allseitigen Wohle geschlossen zu haben, verbleibt

mit dem Gruße

VERWALTUNG HURRA!"